Herzlich Willkommen
auf meinem Südafrika-Blog! Diese Seite begleitet Sie durch mein Jahr in Kwanokuthula. Hier werden in den nächsten Monaten Bilder, Erfahrungsberichte und interessante Links zu finden sein, die Ihnen einen Eindruck von meiner Arbeit und meinem Leben im Township "Kwanokuthula" vermitteln sollen.



Montag, 15. November 2010

Von $1.25, absoluter Armut und einem etwas anderen Reichtum

[Achtung, dies ist die Blogform meines Erfahrungsberichtes (ohne Bilder). Kontaktiere mich bitte, solltest Du die PDF-Variante per eMail zugeschickt bekommen wollen! Viel Spaß beim Lesen]

Ich habe ein Plätzchen gefunden, auf unseres Hauses Dach,
In schaurig feurigem Zwielicht, einer himmlischen Reflexion.
Der Anblick, der sich mir bietet, hält Götter und Geister wach,
Es lässt sich in Einem beschreiben: sublimierte Inspiration.
Denn was die Lüfte und Gase, am Himmel uns geben heut‘,
Das haben die Maler von Gestern vergeblich zu schaffen gesucht.
Es haben viele von ihnen nicht Stunden noch Mühen gescheut,
Doch waren sie letztlich alle, vom Mittelmaße verflucht.

Diese Farben, die Stille, der Raum und die Zeit! Ein Zweifler beginnt zu glauben,
Nur ein Schöpfer konnte der Sonne Kleid, dieses Feuer, dem Teufel rauben.
Halte ihn fest, diesen Augenblick, Perfektion gibt Dir nur der Moment.
Wenn wirbelnde Winde die Wolken wegwehen, Erinnerung stetig verbrennt.
Du kriegst dieses Schauspiel ein einziges Mal, nur hier und jetzt so zu sehen,
Bedenke: Schon morgen um diese Zeit, wird alles ganz anders dastehen.

An der Grenze
1,25 US-Dollar Lebenskosten pro Tag und Kopf, das ist die von den Vereinten Nationen monetär definierte, so genannte, absolute Armutsgrenze. Die berechtigte Kritik an dieser lautet, dass sie schlicht und ergreifend nicht universell ist. Obgleich der US-Dollar die weltweite Leit- und Reservewährung ist, können der Realwert, beziehungsweise die Kaufkraft dieses Betrages nach Umrechnung in die verschiedenen Landeswährungen gravierend voneinander abweichen. Außerdem mangelt es dem Wert an der durch Inflation und ihre Folgen erforderlich werdenden Flexibilität. Der Präsident der Weltbank zwischen 1968 und 1981 Robert Strange McNamara lieferte darum folgende begriffliche Definition:

Armut auf absolutem Niveau ist Leben am äußersten Rand der Existenz. Die absolut Armen sind Menschen, die unter schlimmen Entbehrungen und in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen, der unsere durch intellektuelle Phantasie und privilegierte Verhältnisse geprägte Vorstellungskraft übersteigt.“

1,25 US-Dollar, das sind zurzeit etwa 8,5 Südafrikanische Rand oder 0,88 Euro. Da ich mit Kindern arbeite, die ohne unsere Organisation von weniger als diesem Betrag leben würden, war es für mich hilfreich, mich für einen Monat nah an besagter Grenze zu bewegen um besser zu verstehen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und zumindest einen Aspekt der Armut lebendig zu erfahren.

Ein Experiment der Selbstdisziplin
Dabei habe ich mir nicht Tag für Tag acht Rand fünfzig zurecht gelegt und nachgedacht, wie ich davon überleben kann, sondern die gesamten Lebenshaltungskosten für 30 Tage kalkuliert und darauf basierend einen Monatseinkauf (Reis, Maismehl, Kartoffeln, Tee, Zucker und Salz) getätigt. Schon diese Herangehensweise trübt eigentlich das Erlebnis, da ich annehmen muss, dass viele Straßenkinder und Obdachlose nicht über die Rationalität verfügen, die sich mit dem Wort Rationierung assoziiert, sondern eher von der Hand in den Mund leben. Dennoch impliziert sie  heftige Entbehrungen von einem sonst privilegierten Lebensstandard, den gewohnt zu sein mir nun klarer geworden ist, als selten zuvor. 

Umgerechnet hatte ich circa 30 Euro für den gesamten Monat für Gas, Strom, Wasser und Lebensmittel zu Verfügung. In Kwanokuthula gibt es für ein solches Vorhaben limitierende und erleichternde Faktoren. Ein limitierender ist durchaus die touristische Prosperität der Region, da sie die Lebensmittelpreise relativ hochhält. Dennoch kann man für nur 43 Rand einen Sack mit 10 Kilogramm Maismehl kaufen. Ein erleichternder und nicht wegzudenkender Faktor ist, dass die Township-Häuser Totalsubventionen sind und somit keine Miete bezahlt werden muss.

Zu Beginn des Experiments Anfang Oktober habe ich einen Tag lang gefastet und viel Tee getrunken, den Magenstand auf null gesetzt und dann nach und nach in viel kleineren Mengen, als gewohnt fast ausschließlich die typischen Gerichte Porridge, Pap und Umphokoqo, sowie Reis und Kartoffeln zu mir genommen. Der morgendliche Porridge, eine Art Maisgrießbrei, war keine große Umstellung zum vorherigen Frühstücksplan. Was auf Dauer unangenehm werden konnte war die Eintönigkeit, denn anstatt die Mahlzeit wahlweise mit Früchten oder Nüssen garnieren oder mit Zimt würzen zu können, blieb mir nur die Frage danach, welche Menge an Zucker und Salz wohl das beste Ergebnis bringen würde. Das Mittagessen habe ich in dieser Zeit häufig ausgelassen, was auf die lange Sicht meinen Körper überbeansprucht hätte, für den Moment aber die Projektarbeit in den Vordergrund gerückt hat. Ich habe dadurch keine Zeit mit dem Essen „vergeudet“ und konnte mich besser um die Jungen kümmern. Da sie sich gerne aus Prinzip beklagen, dass es zu wenig gibt, konnte ich ihnen in dieser Zeit wahrheitsgemäß vorhalten, dass ich selbst weit weniger aß, als sie. 

Fastend in einer Küche zu arbeiten und Mahlzeiten für über 20 Personen zuzubereiten hat zugegebener Maßen selbstgeißelnde Elemente. Meistens habe ich schließlich nach der Arbeit zu Hause ein frühes Abendessen, wechselweise aus den oben genannten Gerichten bestehend, genossen. Besondere und vergleichsweise kostspielige Einladungen wie auf eine Pizza oder Süßigkeiten habe ich ausgeschlagen, ein dezentes Spaghetti-Essen unter Freunden jedoch mehr denn je genossen. In diesem Monat ist es etwas besonderes, ja ein samstägliches Ritual geworden, Umdundu zu essen. Dabei handelt es sich um einen rundlichen Fladen aus leicht gezuckertem Weizenteig, der frittiert und dann wahlweise mit Fisch oder Hackfleisch gefüllt wird. Zwischen fünf und acht Rand kostet dieser schmackhafte Spaß, ist ausreichend sättigend und eine gute Investition, wenn man mal seine letzten Münzen zusammenkratzt.

Einige Lernerfahrungen
Die ein oder anderen eigenartigen Dinge sind in meinem Kopf während dieser Zeit vorgegangen. Zum Beispiel habe ich bei einer Bildungsveranstaltung unserer Organisation Masizame, sobald die Sandwich-Platte hereingetragen wurde, im Kopf überschlagen, wie viel jedem der Anwesenden zusteht und mich in der Mittagspause ungewohnt schnell und schamlos am Esstisch bedient. Ich habe mir Äpfel und Bananen gesichert und bei dem Gedanken an die faden Lebensmittel im eigenen Haus sogar einiges mitgehen lassen. Ich habe an mir selber erfahren, dass die Kinder aus unserem Projekt wohl kaum um des Spaßes Willen einbrechen und stehlen, sondern viel eher aus (Heiß)hunger.

Man kann das ganze Experiment in vielerlei Hinsicht kritisieren und es ist mir bewusst, dass die erlebte Armut nicht real war, dass ich nicht fühlen konnte, was Straßenkinder in dieser Welt fühlen, dass ich mich auch in Sachen Erziehung, Selbstdisziplin und Bildung zu sehr von ihnen unterscheide, um zu denken und zu handeln, wie sie.  Was bleibt ist, dass ich viele Wünsche und vor allen Dingen viel Appetit unterdrückt und dass ich vieles entbehrt habe, was mir als so selbstverständlich erschienen war.

Und doch waren die letzten Wochen einige der glücklichsten in meinem bisherigen Leben. Das hat mir, so plakativ und abgedroschen es auch klingen mag, gezeigt, dass ein gleichbleibend luxuriöser und dekadenter Konsum so sehr wir auch das Verlangen danach verspüren, nicht glücklicher macht, als ein spartanischer mit Höhepunkten. Vieles hängt, so glaube ich, von der Einstellung ab, mit der wir gewisse Dinge tun. Allein finanziell befähigt zu sein, sich zum Beispiel eine Pizza, ein Eis oder einen schmackhaften Wein zu kaufen, wann immer man will, kann diese Dinge ordinär machen. In diesem Monat konnte ich meine Ansprüche auf gesunde Weise herabsetzen und auch die schlichtesten Mahlzeiten sehr genießen, den Reichtum und die Freiheit meines Lebens in anderen Dingen als dem Konsum suchen und finden. Außerdem habe ich erlebt, dass geistige Armut, die mit materieller oft, aber nicht zwingend einhergeht, Gelassenheit, Spaß und Glück eines Individuums stärker beeinträchtigen kann, als ein annähernd leerer Geldbeutel.

Das Leben hier und die Arbeit mit den Kindern, die keine oder eine weit schlechtere Schulbildung genießen, sowie Bekanntschaften mit Europäern, die weit weniger Erfahrung und Wissen aus Schulzeit und Jugend mitnehmen konnten, als ich, lässt mich mein Glück neu verstehen und macht mich dankbar und demütig gegenüber meinen Lehrern, meiner Familie und meinen Freunden, von denen ich häufig lernen durfte, was ich jetzt erst zu schätzen weiß.

Ich schließe voller Dankbarkeit für das Privileg hier sein zu dürfen und eine so freundliche Unterstützung aus Deutschland zu genießen, mit dem Zitat von John Locke “No man’s knowledge here can go beyond his experience.“, welches zu seiner Zeit nicht annähernd so sexistisch rezipiert wurde, wie es heute der Fall sein könnte und nach Beseitigung seines Anachronismus am besten übersetzt werden kann mit: „Keines Menschen Wissen hier kann über seine Erfahrung hinausgehen.“

Samstag, 23. Oktober 2010

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Ein Tag in Plett


Der Moment
Man hat einen Moment, wenn man in Kwano lebt,
In dem man ganz einsam des Nachts da steht,
Sich die Zähne putzt, nach den Sternen blickt
Und das Leben genießt, und Lobpreisungen schickt,
Dass ein Schöpfer dem Menschen so gut sein kann,
Der nichts weiter ist, als ein einfacher Mann
Mit einfachem Glauben und einfachem Sinn.
Es ziehen der Mond und die Wolken dahin.
Dann geht der Moment ganz leise vorüber,
Man geht in seine Hütte hinüber,
Legt sich Schlafen und träumt und überlegt,
Wo es wohl morgen den Moment hin verschlägt.


Ich wache auf. Die Blase drückt. Um dieses Gefühl los zu werden, muss ich das Haus verlassen. Unsere Toilette befindet sich in einem kleinen Häuschen, einige Meter von unserer Hütte entfernt. Nach einer windigen und verregneten Nacht, deren prasselnde Akustik sich unter unserem Dach ausbreitet, wie im Inneren einer bauchigen Riesentrommel, scheint die Welt nun wie neugeboren. Es liegt etwas Unbeschreibliches in der Luft. Eine Reinheit. Eine Ruhe. Die Karbon- und Marihuana-artigen Gerüche, die Stunden zuvor noch unsere Riechorgane entzückten, sind, genau wie die dichte Wolkendecke am Himmel, verschwunden.

Die Uhr sagt 05:47. Einen Wecker brauche ich nicht, denn mein Rhythmus in Südafrika lässt es nicht zu, dass ich verschlafe. Obwohl ich erst um neun Uhr bei der Arbeit sein muss, stehe ich um diese Zeit auf. Der Morgen graut gegen halb sechs, die Sonne verschwindet abends etwa um sieben. Man will so viele Sonnenstunden nutzen, wie möglich, denn die Strompreise pflegen nicht zu fallen. Also früh aufstehen! Früh Schlafen gehen! Da der kleine Wäschekorb in meinem Zimmer überquillt, steht eine Wascheinheit an. 

Die wenigsten Haushalte im Township haben Warmwasser und Waschmaschinen sind ebenso als seltene  Luxusgüter zu betrachten. Es ist daher üblich, Wasser im Kocher aufzukochen und anschließend mit kaltem Wasser in einer Waschschüssel zu mischen, um die passende Temperatur zu erreichen. Dann wird Waschmittel dazu gegeben und die Klamotten werden mit der Hand bearbeitet. Wenn man sie am Vortag in heißem Wasser einweicht, ist das Resultat nach dem Waschen nicht schlechter, als mit der Maschine; Einige der Frauen hier schwören, es sei sogar besser und mit der richtigen Technik verschwinden sogar die hartnäckigsten Flecken. Der Nachteil ist der Zeitaufwand. Denn während das Bedienen von Waschmaschine und Trockner maximal fünf Minuten dauert, muss ich mindestens die gleiche Zeit jedem einzelnen Kleidungsstück widmen, es erst im Spülwasser solange waschen, bis es sauber ist, dann klar spülen, auswringen, ausschütteln und aufhängen.

Als kurz nach acht Uhr die Wäscheleinen unter dem Gewicht nasser Klamotten durchhängen und das Wasser in der Schüssel nicht mehr trüber werden will, beschließe ich, zu frühstücken. Verena, deren Arbeitstag eine Stunde später beginnt, schläft noch hinter ihrem Vorhang. Ich muss also auf Samtpfoten umherschleichen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass wir uns in einem Ein-Zimmer-Haus bewegen. Das heißt, der Raum ist nur notdürftig durch Sichtschutz-Wände in drei Teile gegliedert. Ab zwei Metern Höhe, ist wieder alles eins.

Jeder Bewohner (Verena und ich) hat seine eigenen sieben Quadratmeter. Die übrigen 15m² werden eingenommen von einem Sofa, einem Büchertisch, zwei Fahrrädern, zwei Kommoden, einem Esstisch, dem Kühlschrank und dem Küchenbord. Hinter letzterem, vielversprechendem Wort verbirgt sich im Wesentlichen ein Tisch unter dessen Platte eine Gasflasche ruht und auf dem ein gusseisernes Kochgestell mit zwei Herdplatten steht, welches zurzeit noch ständig in Gebrauch zu sein scheint. Wir kochen gerne.

An diesen Morgen gibt es Porridge. Dieses auf Maismehl basierende Gericht erfreut sich großer Beliebtheit und füllt morgens zahllose Mägen in Südafrika. Außerdem ist es leicht zuzubereiten. Wasser, Maisgries und ein wenig Zucker werden im Topf gemischt, bis Konsistenz und Geschmack stimmen, und dann aufgekocht.

Kwanokuthula, ein besonderes, ordinäres Township
Ich wohne in Kwanokuthula, einem der zahllosen Townships, die während der Apartheid um die Städte herum entstanden sind. Seit jeher waren attraktive Standorte an der Küste ein Magnet für Menschen aus dem Landesinneren. Doch für verarmte Bauern, die aufgrund ihrer Hautfarbe politisch unterdrückt wurden, waren Häuser in der Stadt weder erschwinglich, noch wurden sie ihnen gewährt. Sie haben sich also außerhalb der Stadt in „Informal Settlements“ niedergelassen. Zudem hat man aus den städtischen Gebieten indigene Bewohner in die extraurbanen (sub-urban wäre ein Euphemismus) „Outskirts“ zwangsumgesiedelt.

Auf dem Lande gibt es auch heute, in Zeiten einer sich zentralisierenden Landwirtschaft, viel Leid. Die Urbanisierung ist in vollem Gange. Es ist, als wäre ich in der Geschichte zurückgereist. Denn hier erfährt man, dass Südafrika, wenn kein Entwicklungsland, so doch ein schwellendes Land ist, dessen Entwicklungsphänomene, im westeuropäischen 19. Jahrhundert Vergleiche finden. Die Not in den ländlichen Gebieten treibt die Menschen in die Städte. Jedoch müssen sie, da sich an der Erschwinglichkeit zentraler Wohngegenden seit dem Ende der gesetzlichen Apartheid nicht viel geändert hat, die inoffiziellen Siedlungen bewohnen. In Plettenberg Bay sind zwei inoffizielle Siedlungen mit den Namen Qolweni und Bossiesgif entstanden.

Das sind Ansammlungen von windschiefen Hütten, gebaut aus Blech, Holz, Pappe, Asbest, Ziegeln und anderen verfügbaren Materialien, welche sich hinter der Nationalstraße N2 und hinter einem hohen Metallzaun ausbreiten. Dort ist alles dicht bebaut und dicht bevölkert und diese Fülle wird größer und größer. Niemand weiß wirklich, wie viele Menschen in diesen Siedlungen wohnen, denn es ziehen ständig neue hinzu und Kinder werden auch ohne staatliche Registrierung geboren.

Die Townships wiederum sind von der Regierung in Auftrag gegebene Siedlungen, die mit dem Zweck errichtet wurden, solche Inoffiziellen aufzulösen. Diese Rechnung geht in Plettenberg Bay allerdings nicht auf. Man hat weiter Stadt auswärts an der N2 Township-Häuser errichtet. Kleine Häuser auf kleinen Grundstücken, wie beschrieben in meinem ersten Bericht. Diese wurden Familien aus Qolweni und Bossiesgif frei zur Verfügung gestellt und so ist Kwanokuthula entstanden. Jedoch werden bis heute solche Häuser gebaut und bis heute ist kein Ende dieser Umsiedlung absehbar. Ganz im Gegenteil: schon jetzt ist in Kwanokuthula eine ähnliche Entwicklung wie im inoffiziellen Qolweni zu beobachten. In den Gärten der Häuser werden Holzhütten errichtet, es wird angebaut und neu gebaut und die irrationale Dichte, die Kwanokuthula eigentlich beenden soll, entsteht auf diesem Grund von Neuem. Die unbeholfen grauzonenartigen, das Township betreffenden, Populationsschätzungen liegen nunmehr zwischen dreißig- und sechzigtausend.

In Kwanokuthula leben hauptsächlich Xhosa. Dieser Name bezeichnet eines der neun noch heute in Südafrika lebenden Bantu-Völker. In einem anderen Township mit dem Namen New Horizons leben die so genannten „Coloureds“ (Farbige) und Rastafaris. Im Gegensatz zum Wort Xhosa handelt es sich bei dem Begriff „Coloured“ um einen der undifferenzierten aus der Apartheidpolitik. Diese teilte einst die gesamte südafrikanische Bevölkerung in vier „rassische“ Gruppen, welche vom Staat in folgender Reihenfolge politisch, wirtschaftlich und rechtlich mit absteigender Bevorzugung  behandelt wurden: „Whites, Asians, Coloureds, Blacks“.

„Whites“ waren dabei in der Regel Einwanderer mit europäischem Hintergrund, vor allem Portugiesen, Niederländer, Briten und Deutsche; „Asians“ meist Inder oder Chinesen und als „Blacks“ wurden alle indigenen Einwohner von Khoikhoi und San, über Tsonga, Swasi, Ndebele, Zulu und Xhosa bis hin zu Sotho, Tswana und Venda,  bezeichnet. Trotz des ignoranten Charakters dieser vier Namen und der antiquiert menschenverachtenden Kategorisierung nach einer Hautfarbe, haben sich diese Begriffe über die Jahrzehnte fest etabliert und sind von der breiten Masse akzeptiert. Ein „Coloured“ identifiziert sich selbstbewusst mit diesem Namen und ist nicht mehr zwangsläufig Sohn von „White“ und „Black“, sondern mitunter auch Teil einer eigenen Ethnie in vielfacher Generation.

Meine Arbeit leiste ich größtenteils in New Horizons. Das heißt, ich habe einen Fußweg von 15 Minuten zu meinem Projekt. Es ist nur ein kurzes Stück durch Kwanokuthula. Alle Menschen grüßen freundlich, lächeln, halten Smalltalk im Vorübergehen. Dann verlasse ich das Township, überquere die N2 und laufe ein Stück an ihr entlang. Einige der Vorbeifahrenden halten mich für einen Tramper, da es üblich ist, auch vergleichsweise kurze Strecken gegen ein minimales Entgelt auf diese Weise zurückzulegen. Sie geben dann Zeichen, um verständlich zu machen, in welche Richtung es geht und ich wehre freundlich ab.

Mein Weg führt direkt in das nächste Township, wo nun nicht mehr mit „Molo“ (isiXhosa für „Hallo“), sondern mit „Morre“ („Morgen“ auf Afrikaans) gegrüßt wird. Mir begegnen junge Gestalten mit langen Rastas in vergleichsweise westlicher Garderobe, alte zahnlose  Männer sitzen am Straßenrand bei einem Laden, Hunde bellen ohnehin immer und überall und der klare Himmel zieht sich auf einmal über mir zu. Man sagt, in Plett könne man die vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Dieser Tag ist einer von ihnen. Komme ich eben noch auf dem Weg ins Projekt ins Schwitzen, friere ich nur zehn Minuten später, bei strömendem Regen. Die Wäsche wird heute also nicht mehr trocknen.

Masizame Drop-in Centre
Als ich im Projekt ankomme, öffnet mein Chef Nel gerade das Tor. Er ist Xhosa und stolz auf seine Kultur. Wenn die Zeiten nicht stressig sind, ist er sehr gerne zu Späßen aufgelegt und stets gut gelaunt, singt und tanzt gerne im Alltag, etwas träge, wie es seine stämmige Figur eben zulässt. Sobald das Tor aufgeht, sehen wir schon vier unserer Jungen, die offenbar auf diesen Moment gewartet haben, auf dem Weg ins Centre. Einige von ihnen leben in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung. Sie sind alle zwischen zehn und 20 Jahren alt.

Wie viele von ihnen täglich erscheinen, ist sehr variabel. An manchen Tagen sind es 20, an anderen nur drei. Wer Frühstück haben will muss vor 10 Uhr im Projekt sein. Die Jungen, die schon seit längerer Zeit zu uns kommen, sind bereits in unser Register aufgenommen, welches inzwischen etwa 50 zählt, jedoch sind niemals alle anwesend. Das Frühstück im Projekt ist heute ePap. Es handelt sich dabei um ein Nahrungssupplement, welches – wie der Porridge auch – auf Maisbasis hergestellt wird und speziell für heranwachsende Kinder entwickelt worden ist.

Einer der wichtigen Grundsätze im Projekt ist, dass jedes Kind gleich behandelt und niemand von vorn herein benachteiligt oder bevorzugt wird. Alle müssen sich vor dem Essen die Hände waschen, in einer Schlange an der Küche anstehen und ihr Gebet auf Afrikaans aufsagen. Dann bekommen alle eine anständige Menge Frühstück. Nachschlag wird fast immer verlangt. Der Zweifel daran, bald eine neue Mahlzeit zu erhalten, hat sich in ihren Köpfen so festgesetzt, dass sie immer ein wenig auf Vorrat essen wollen. Auch von diesen Zweifeln, ja von diesen Sorgen, wollen wir sie befreien. Sie sollen wissen, dass bei uns jeder seinen eigenen Teller bekommt, dass immer genug für alle da ist und, dass niemand für schlechtere Zeiten bunkern muss, wenn es mal etwas mehr gibt. Anderntags machen wir Pfannkuchen, die Jungs dürfen in der Küche mithelfen und lernen dabei, wie man sich sein eigenes Essen zubereitet. Sie alle brauchen „Life Skills“ und Masizame hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen für ihr späteres Leben so viel wie möglich mitzugeben. Doch im Moment gestaltet sich diese Arbeit noch sehr schwierig.

Viele von den Jungs haben die Schule sehr frühzeitig hinter sich gelassen, keinen Abschluss in der Tasche und wenig eigene, realistische Pläne für ihre Zukunft. Drogen und Alkohol spielen eine wichtige Rolle in ihrem Alltag, wovon wir sie durch Drogenaufklärung, eine starke Vorbildfunktion und verschiede Sanktionen für „Raucherpausen“, abzubringen versuchen. Die wirkliche Herausforderung in meinem Projekt liegt darin, die Kinder nach den Mahlzeiten dazu zu bewegen, im Centre zu bleiben, denn kaum einer von den Jungen ist scharf auf irgendetwas, das mit Bildung zu tun hat und die Einrichtung hat nicht den Status einer legalen Aufsichtsperson. Diese sind bei unseren Jungs nach wie vor die Eltern, von denen allerdings einige stetigem, exzessivem Alkoholkonsum verfallen sind und kein Interesse an ihren Schützlingen haben. Aus diesem Grund können die Jungen de facto tun und lassen, was sie wollen und Masizame hat nicht das Recht, sie gegen ihren Willen festzuhalten. Das erforderliche Rezept heißt Attraktivität. Wir versuchen – abgesehen von der Verköstigung – ein möglichst angenehmes Programm zu bieten, bei dem unterschwellig gelernt wird.

Gegen den Klassenraum, scheinen die Jungs allergisch zu sein. Neben den sozialen Fähigkeiten, die sie im Alltag in der Gruppe erlernen, versuchen wir jene, die noch nicht zu alt sind, mit Mathematik- und Englischunterricht wieder für die Schule vorzubereiten. Ein zentrales Ziel des Projektes ist es auch, das Selbstvertrauen der Jungen zu stärken und Perspektiven aufzuzeigen. Sie müssen nun auch außerhalb der Schule herausfinden, was sie können, was sie nicht können und was sie zu lernen im Stande sind. Seit kurzer Zeit gebe ich einen Gitarrenkurs, leite Kraftkreise und andere Sport-Workshops, führe Gesprächsrunden über Respekt, HIV/Aids, Kultur, Drogen, Geschichte, darüber, wie Tag und Nacht oder die Jahreszeiten entstehen, was Raumfahrt ist, was sie ermöglicht und vieles mehr, was sie interessiert, oder meiner Meinung nach interessieren sollte. Mit einigen der Jungs gibt es dabei durchaus Verständigungsprobleme, denn viele von ihnen sprechen hauptsächlich Afrikaans und einige verstehen wenig Englisch, fühlen sich eingeschränkt, wenn sie Englisch sprechen müssen. Bei dem Versuch, alle von ihnen in den Klassenraum zu bewegen, zeigt sich die Abneigung gegenüber der reinen Wissensvermittlung. Doch wir haben es geschafft. Fast alle sitzen im Klassenraum.

Jetzt öffnet ein Junge namens Bronwin mit einem Krach die Tür. Er ist elf Jahre alt, klein, mit kurzem Krausehaar, kauputten Zähnen, die Augen leer. Heute hat er schon mindestens einen Joint geraucht. Er hat Tränen in den Augen, aber es sind keine Tränen der Trauer, oder des Schmerzes. Sein Körper bebt, er atmet tief ein, während er sein Geheul artikuliert. Jetzt flucht er auf Afrikaans. Die einzigen Worte, die ich verstehe sind „ePap“ und „Ma se poes“. Bei ersterem handelt es sich um bereits erwähntes Frühstücksgericht, letzteres, die Mutter zum Objekt der Flucherei machende, möchte ich lieber nicht übersetzen. Bronwin hat einen zerbrochenen Ziegelstein in der Hand. Mit hohlen Augen steht er da. Nun setzt er zum Werfen an. Das Ziel ist einer der Jungen im Klassenraum. Doch nichts passiert. Ich gehe dazwischen, nehme ihm den Stein ab, schicke ihn raus. Ich möchte mit dem Unterricht fortfahren. Doch keine dreißig Sekunden vergehen, da steht er wieder im Raum. Er flucht und will Aggressionen raus lassen. Wieder schicke ich ihn fort.

Ich erfahre inzwischen vom Anlass für dieses Verhalten. In der Nacht zuvor ist in der Küche unseres Centres eine Scheibe eingeschlagen und ein Päckchen ePap geklaut worden. Alle beschuldigen einen der Jungen, die gerade im Klassenraum sitzen, einen der Schwächsten, der sich selten wehrt. Keiner nimmt es so ernst, wie Bronwin. Nachdem er ein drittes Mal den Unterricht stört und sich offenbar nicht beruhigt hat, nehme ich ihm wieder die Steine ab, halte ihn fest, versuche auf ihn einzureden. Er meint der Junge müsse für seine Tat ins Gefängnis und sieht sich darum im Recht zu tun, was es auch braucht, um das zu erreichen. Warum genau er meint, die Justiz des Centres spielen zu müssen, ist mir nicht klar. 

Ich vermute das Verlangen nach Streit dahinter, denn besagter Bronwin ist mir schon nach kurzer Zeit als besonders launisch und aggressiv aufgefallen. Dieses oder ähnliches Verhalten stört wöchentlich das Leben im Drop-in Centre. Man könnte doch einfach die Störenfriede suspendieren. Könnte man, doch was passiert in den zwei Wochen, die sie nicht bei uns erscheinen? Sie rauchen Gras, trinken zu viel, kämpfen, werden verprügelt, stehlen… Kurzum: Sie leben das Leben, vor dem wir sie bewahren, zu dem wir eine Alternative aufzeigen wollen. Ein Alternative ohne Gewalt, ohne Kämpfe, Flüche und Rücksichtslosigkeit. Nein, wie auch immer sie sich aufführen, das Wichtigste ist, dass sie sehen: es geht auch anders.

Nach der Stunde im Klassenraum steht den Jungen freie Zeit auf dem Gelände zur Verfügung. Sie spielen gerne Fußball, Fußball-Tennis oder Domino. Währenddessen bereiten wir ihnen die nächste Mahlzeit zu. Zwölf Uhr ist „Snacktime“. Das heißt, es gibt entweder Brot, welches eine der Bäckereien aus der Stadt freundlicherweise spendet, oder sonst eine kleine Mahlzeit, mitunter sogar Süßigkeiten. Nach dem Snack gebe ich Englisch-Nachhilfe. Heute ist ein Diktat dran. Niemand weiß wirklich etwas damit anzufangen und die Jungs sind nach kurzer Zeit sauer auf mich, weil ich nicht an die Tafel schreibe, was ich von ihnen auf dem Papier sehen will. Dass gerade dies der Hintergrund des Diktierens ist, wollen sie nicht verstehen. Bisher haben sie offfenbar nur abgeschrieben.

Nach fünf Minuten verlässt der erste entrüstet den Raum, weil er schon die Überschrift nicht dem Gehör nach niederschreiben kann, ein anderer nimmt einen Toilettenbesuch zum Anlass, um dem Raum zu entschwinden. Die Klasse wird immer kleiner. Was ich da mit ihnen tue, erinnert sie zu sehr an die Schule, der sie mit so viel Vergnügen fernbleiben. An warmen Frühlingstagen, wie heute (das Wetter hat wieder umgeschlagen, die Luft 25°C, der Boden längst wieder trocken), ist es ohnehin eine besondere Herausforderung, sie alle in den Klassenraum zu verfrachten.

Besonders heiße Tage verbringen wir gerne am Strand, bauen dort ein kleines Fußballfeld aus Trainings-Hütchen auf und lassen sie spielen und dann im Meer schwimmen oder mit den Bodyboards surfen, die das Projekt glücklicherweise besitzt. Vor meiner Zeit als Freiwilliger in diesem Projekt soll es sogar richtige Surfstunden gegeben haben, die allerdings aus Finanzgründen eingestellt werden mussten.

Gegen 14 Uhr servieren wir das Mittagessen, welches seit wenigen Monaten extern zubereitet wird. Denn kurz vor meiner Ankunft hat man – ebenfalls aus Finanzgründen – die Köchin des Centres entlassen müssen. Zur Freude der Jungs gibt es heute Reis mit Hühnchen. Das Prozedere ist ähnlich, wie am Morgen: Händewaschen, Gebet aufsagen, einer nach dem anderen bekommt sein Essen und spült danach den Teller vor. Die, denen es besonders gut geschmeckt hat, melden sich freiwillig zum Abwasch, weil sie wissen, dass die Reste dann an sie gehen.

Nach dem Mittagessen verlassen die meisten Jungen sehr bald das Centre. Nur einige bleiben noch eine Weile zum Fußballspielen. Nel, unser Mitarbeiter Trevor und ich müssen nun den Schreibkram erledigen. Es wird festgehalten, was vorgefallen ist, welche Bildungs- oder Unterhaltungsprogramme mit welcher Absicht und welchem Erfolg angeboten wurden und wer von den registrierten Jungs überhaupt aufgetaucht ist. Nachdem all das erledigt ist, wird das Centre geschlossen. Eine Vielzahl von Vorhängeschlössern an den Türen soll gewährleisten, dass sich das Inventar über Nacht nicht in Luft auflöst, doch einige der Jungen finden trotzdem einen Weg, um nachts Lebensmittel, Multimedia-Artikel und anderes zu entwenden.

Masizame Goal Fighters
Gegen 15:30 Uhr werde ich wieder nach Kwanokuthula gefahren. Ich trainiere die Masizame Goal Fighters, ein Fußballteam für Kinder aus der Umgebung. Ob Straßen- Waisen- oder Schulkinder, hier kommt alles zusammen. Sie freuen sich unglaublich auf die Spiele und wünschen sich, so viele davon zu bestreiten, wie möglich. Ein Turnier mit vier Gastteams konnten wir schon veranstalten.

Das Fußball-Training ist aufgrund der äußeren Gegebenheiten eine Herausforderung für sich. Der einzige Ort, der sich zurzeit dafür anbietet, ist eine Wiese vor dem Gelände von Masizame, auf der einige Strommäste stehen und auf der gerne Kuhherden grasen. Fußballtore gibt es leider nicht. Diese Wiese gehört rechtlich gesehen der Munizipalität („Bitou“ mit Namen), dem Straßenrecht nach aber den „Black Tigers“, einem anderen Fußballteam. Es kommt daher immer wieder zu kleinen Auseinandersetzungen darüber, wer nun auf dem begehrten Weideland trainieren darf. Wie funktioniert also das Training?

Statt der Tore und Linien verwenden wir Trainingshütchen, über größere Steine auf dem Feld und kleinere Hügel im Gras muss hinweg gespielt werden. Die größte Barriere ist jedoch die Sprache. Ich habe es mit Jungen zu tun, von denen einige ausschließlich isiXhosa sprechen, was ich noch nicht ausreichend gelernt habe. Viele von ihnen verstehen kein Englisch. Es ist also alles andere als leicht, allen die Instruktionen verständlich zu machen. Außerdem ist bei den meisten dieser Kinder die Disziplin nicht vergleichbar mit der, die ich aus meinem deutschen Umfeld gewohnt war. Sie sind in der Gruppe sehr laut, hören oft erst beim fünften Mal auf ihre Namen und beklagen sich grundsätzlich bei den Entscheidungen des Schiedsrichters. Das klingt aber alles viel schlimmer als es am Ende des Tages wirklich ist. Spaß und Gemeinschaft sind die wichtigsten und dominierenden Begleiter der Trainingseinheiten und Spiele.

Nach dem Training laufe ich durch das abendliche Township nach Hause. Viele Menschen, die in diesen Straßen leben, haben mich schon oft gesehen und wissen, dass ich für Masizame arbeite und grüßen daher auf isiXhosa. Für einige andere ist es immer noch etwas besonderes, wenn ein „Umlungu“ (so nennen sie uns Hellhäute), sie in ihrer Muttersprache begrüßt.  Es ist 18:30 Uhr, als ich erschöpft nach Hause komme. Verena ist schon seit einer guten Stunde hier. Ich bereite mithilfe unseres Gaskochers eines der diversen Gerichte meines Repertoires – wie zum Beispiel Pasta alla Genovese – zu und erfreue mich der Einfachheit dieses Teils meines Tages. 

Nach dem Essen lasse ich mich auf mein Bett fallen arbeite einen Trainingsplan für den morgigen Tag aus, versuche eine dieser isiXhosa-Vokabeln zu lernen, die mir nicht in den Schädel gehen wollen, nehme ein Buch (gerade ist Edward Said dran), beginne zu lesen und keine zwanzig Minuten später bin ich reif für die Traumwelt. Denn wenn kognitive Zeichen vor meinen Augen zu abstrakten oder surreal fließenden Gebilden verschwimmen, sagt mir selbst das spannendste oder lehrreichste Buch nur noch, dass die Lichter auszugehen haben. 

Dienstag, 5. Oktober 2010

Erfahrungsbericht Nr. 1

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Eindrücke einer kurzen Reise


Liebe Freunde der afrikanischen Sonne, ich bin tatsächlich in Südafrika gelandet. Bevor ich Euch meine Erfahrungen schildere, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich noch einmal sehr herzlich bei meinen Unterstützern zu bedanken. Ich bin unendlich dankbar, für die Mühe, die sich Familie, Paten, Verwandte, Freunde, Lehrer und sonstige Unterstützer gemacht haben, um mir dieses Jahr zu ermöglichen. Nicht zu vergessen, die hervorragende Arbeit, die meine Trägerorganisation, die Weltweite Initiative für Soziales Engagement e.V. (WI) geleistet hat, um 76 Freiwillige auf ihre Einsätze in Lateinamerika, Nahost und Südafrika vorzubereiten. Ich zehre täglich von den Inhalten, Ideen und Denkanstößen, die uns während der Seminare vermittelt wurden. Vielen Dank Euch allen!
Ich bin also in Südafrika gelandet. In dem Südafrika, das ich mir vorgestellt und von dem ich Euch im Vorfeld erzählt habe. In dem Südafrika, welches während der Fußball-Weltmeisterschaft die deutschen Medien dominiert hat. In dem Südafrika, wo alle immer zu spät kommen. Wo viel zu viel Kriminalität herrscht. Wo die Sonne scheint und wärmt. Und, wo das Kap noch guter Hoffnung ist. Und ich bin in einem ganz anderen Südafrika gelandet. In einem Südafrika, welches ich in meinen Berichten zu beschreiben versuchen werde. Schon für die kurze Zeit, die ich hier verbracht habe ist klar: Weder diese Berichte, noch irgendein Mittel der Telekommunikation ersetzen die Reise. Keine Beschreibung, kein Foto, kein Film und kein Telefonat reichen aus, um ein annähernd lebhaftes Bild davon zu vermitteln, was ich hier täglich erlebe. Doch ich werde versuchen, dieses Bild mit meinen beschränkten Mitteln so gut wie möglich zu malen.

Nachdem ich am 18. August mit zehn weiteren Freiwilligen der Weltweiten Initiative ein Flugzeug Richtung Johannesburg bestiegen habe, sind wir am folgenden Morgen bei relativer Frühjahrskälte (etwa 15 Grad), glücklich und voller Erwartungen angekommen. Angekommen? Wir haben diesen Kontinent überflogen, haben Libyen, Chad und Kongo einfach unter uns vorbeiziehen lassen, sind an der Südspitze rausgekommen und nun sollen wir plötzlich hier angekommen sein? Das ist unmöglich. Heißt es nicht immer, die Seele gehe zu Fuß? Man kann nicht im einen Moment im Englischen Garten in München mit der Familie Obazda mit Bretzn essen, sein Weißbier trinken und im nächsten ein Township im südlichsten Afrika sein neues zu Hause nennen? Oder doch?
                                                                                                    
„Projektreise“

Unsere Vorgänger von WI, die Freiwilligen, die im vergangenen Jahr hier gelebt und gearbeitet haben, haben alles dafür getan, um es zu ermöglichen. Das so genannte „On-Arrival-Training“ war ein Kurzseminar von Freiwilligen für Freiwillige, bei dem wir freundlich an die Hand genommen und auf das Leben in Südafrika vorbereitet wurden.  Wir haben gemeinsam Gefahren und Risiken im Land besprochen und erste Eindrücke in die kulinarische und kulturelle Vielfalt gewonnen. In diesen ersten fünf Tagen, die wir in der Provinz KwaZulu-Natal  verbrachten, wurden uns auch zwei der fünf Projekte vorgestellt, die in Südafrika von der Weltweiten Initiative mit Freiwilligen unterstützt werden. Die Ethembeni Special School ist eine Schule für Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen. Über 200 Kinder werden hier unterrichtet. Einige von ihnen sind „nur“ kurzsichtig, andere sitzen schwer-behindert im Rollstuhl. Es war ein einmaliges Gefühl, auf diesem Schulgelände anzukommen und sofort von allen Kindern begrüßt, umarmt oder auch nur als absoluter Exot bemerkt zu werden. Eine der besten Erfahrungen, die ich an dieser Schule machen konnte, war ein Rollstuhl-Basketball-Spiel zwischen Freiwilligen und Schülern.

Da sitze ich im Rollstuhl und wende alle Kraft und Kondition auf, die ich habe, versuche dies und jenes, um vom Fleck zu kommen, fahren und dribbeln irgendwie zu vereinen, scheitere dabei, lasse mir den Ball abnehmen, versuche es wieder und wieder und muss schließlich einsehen: Das Handicap habe in diesem Moment ich! Denn in puncto Wendigkeit, Schnelligkeit und Zielgenauigkeit, bin ich diesen Kindern im Rollstuhl klar unterlegen. Und so geht es nicht nur mir, sondern allen Freiwilligen, die im Rollstuhl mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Als wir nach einiger Zeit die Teams gemischt hatten, wurde das Spiel sehr viel ausgeglichener.

Im Anschluss daran durften wir noch Fußball mit sehbehinderten Kindern aus dem Projekt spielen. Eine Plastiktüte, die um den Ball gewickelt wird, reicht für viele dieser Kinder aus, um die Sehkraft beinahe zu ersetzen. Das von der Tüte verursachte Rascheln gibt dem Ball den entscheidenden Klang. Wo das Tor steht, und ob nun wirklich ein Tor gefallen ist, können einige der Kinder nicht genau sagen, doch vielen sind Punktestand und Ergebnis nicht wichtig. Was zählt ist die Freude, die dieses Spiel den Kindern auch – oder sogar ganz besonders – hier in Südafrika bereitet.

Untergebracht wurden wir im Ethembeni Training Center, einfachen Baracken, bestückt mit Schlafräumen, einem Seminarraum und einer Küche, in denen die Innentemperatur der Außentemperatur stets ähnlich war. Und bei unserer Ankunft in Durban, Ende August, was noch zum Winter zählt, lagen die Temperaturen bei etwa 13 Grad. Diese ersten Tage verliefen recht ruhig und harmonisch, wir hatten das Gelände weitgehend für uns allein, nur ein paar Kühe leisteten uns dann und wann Gesellschaft. Sunny, ein Farmer, ein junger Zulu, der direkt neben dem Gelände arbeitet, zeigte uns voller Stolz die Farm, wie er haust, Feuer macht und wie er seine Hühner schlachtet.

Nachdem wir Ethembeni kennen gelernt hatten, widmeten wir uns anderntags dem Projekt Streetwise, einer Einrichtung für Straßenkinder (ausschließlich Jungen), die in der Nähe von Pinetown bei Durban liegt. Wir fuhren auf dem Weg dorthin mit Minibus-Taxis, welche das in Südafrika meist verbreitete öffentliche Verkehrsmittel sind. Es handelt sich dabei um gewöhnliche Kleinbusse mit etwa 15 Sitzplätzen, die bisweilen auch 19 Personen befördern. An den so genannten Taxi-Ranks, die es in beinahe jedem Township gibt, warten die Busfahrer solange auf Mitfahrer, bis ihre Vehikel voll besetzt sind.  Der Passagier, der neben dem Fahrer sitzt hat die Aufgabe, das Fahrgeld zu zählen, welches meistens zu Beginn oder während der Fahrt bezahlt wird. Eine Fahrt von etwa 30 Kilometern kostet 18 Rand, was nach aktuellem Kurs 2 Euro sind. Aufgrund der Enge, die in diesen Bussen herrscht, ist es hier ratsam vorsichtig zu sein, Wertgegenstände am Körper zu tragen und auf seine Taschen zu achten. Zumindest unseren Vorgängern soll in Minibus-Taxis schon manches abhanden gekommen sein. Unterwegs sahen wir karge Landschaften und Überreste von Waldbränden, mussten uns erst einmal an den Linksverkehr und das Überholen auf der rechten Spur gewöhnen. Auf den Nationalstraßen ist es eng, es wird immer schneller gefahren als vorgeschrieben und gerne wird auch auf einspurigen Strecken überholt. Nichts desto trotz sind wir gesund in Streetwise angekommen. Streetwise ist ein „Shelter“, ein Schutzhaus. 

Hier haben die Kinder die Möglichkeit, warme Mahlzeiten zu sich zu nehmen, sanitäre Anlagen zu nutzen, eine friedliche Gemeinschaft unter Gleichaltrigen zu erleben und an einem Programm teilzunehmen, das Bildung und Sport verbindet und zu großen Teilen von den Freiwilligen geplant und geleitet wird. Außerdem gibt es auf dem Gelände einen Gemüsegarten und eine Bäckerei, in der die Kinder die entsprechenden Fertigkeiten erlernen, um später einmal ihren eigenen Garten bestellen und ihre eigenen Backwaren zubereiten zu können. Am Tag unseres Besuchs waren etwa 50 Jungen im Projekt, die alle sehr neugierig waren, als sie uns zu Gesicht bekamen. Neben der Projektbesichtigung stand auch hier wieder eine sportliche Konfrontation auf dem Plan. Wir hatten laut Vorgängern einen Titel zu verteidigen. Also spielten wieder Freiwillige gegen Kinder aus dem Projekt. Einer der ältesten Jungs, der ein altes schwarzes Jackett trug, machte den Schiedsmann und ließ sich von zwei der kleineren an den Seitenlinien assistieren. Diese hatten aus Holzstöcken und Mülltüten ihre Linienrichter-Flaggen gebastelt und waren mit erstaunlichem Ernst bei der Sache.

Neben den Projekten, die wir in dieser Zeit zu Gesicht bekamen, wurden uns auch die dazugehörigen Wohnungen der Freiwilligen präsentiert. Diese sind sehr basisnahe Häuser, zumeist in Townships gelegen, die von vorherigen Bewohnern immer ein Stück weit verbessert und wohnlicher gemacht wurden. In einigen dieser Häuser, lebt nun bereits die siebte Generation von Freiwilligen der Weltweiten Initiative und im Laufe der Zeit sind hier nicht nur gästebuchartige Wände entstanden, sondern auch Sammlungen geniesbarer Lektüre.


„Heimreise“ und Ankunft

Sieben unserer Freiwilligen arbeiten in KwaZulu-Natal, vier (Verena und ich eingeschlossen) in der Provinz Western Cape und dieser Umstand führte dazu, dass zu unserem 11-stündigen Flug als Teil der Anreise noch eine 16 Stunden dauernde Busfahrt hinzukam. Diese Nachtfahrt, die wir in Durban antraten war zwar anstrengend, bot uns aber auch die Gelegenheit, einen Blick auf diese Stadt zu werfen und als am Morgen über Port Elizabeth die Sonne aufging, konnten wir auch den Rest der Strecke bis nach Plettenberg Bay noch verfolgen. Die Nationalstraße N2, dieses graue Band an der Garden Route schlängelt sich wechselweise am Indischen Ozean und im Landesinneren entlang. So sahen wir imposante Küstenstreifen und wogende Wellen, abgebrannte Stoppelfelder, grüne Wälder, monotone Geradheit und rote Erde. Endlich in Plettenberg Bay angekommen, wurden wir von Sinthu, einem der Fahrer von Masizame abgeholt und nach Kwanokuthula gebracht. In Western Cape leben vor allem Xhosa und so ist auch der Name unseres Townships isiXhosa und bedeutet so viel wie „Ort der Stille“. Tatsächlich war Kwanokuthula an diesem Morgen, dem Morgen unserer Ankunft wie ein verschlafenes kleines Nest.

Überall streunen Hunde herum, Hähne und Hennen mit Familien findet man scheinbar in jedem zweiten Garten, die Seeluft zieht vom Ozean herauf und einige Möwen wiegen sich im Wind. Die Häuser sind zum Teil weniger herabgekommen, als man es sich so vorstellt, die meisten Straßen sind geteert. Das typische Township-Haus ist aus großen Zementblöcken gebaut, mit einer Holzkonstruktion als Dachstuhl und einem Asbestdach darauf. Die meisten sind farbig und haben teils künstlerisch aufgemalte Hausnummern. Gartenzäune bestehen vorwiegend aus mit Draht verbundenen Holzstäben, die mehr das Grundstück definieren, als Eindringlinge fernzuhalten. Mit unserer Ankunft in Kwanokuthula war das „On-Arrival-Training“ vorbei und die Einführungszeit begann. Noch etwa zwei Wochen lebten wir mit unseren direkten Vorgängern Alena und Robert zusammen in Kwanokuthula, bis sie nach Deutschland zurück reisten. Die beiden blieben im Haus und Alena und ich wohnten in dieser Zeit bei einer sehr herzlichen Gastfamilie. Diese Familie besteht aus der Mutter Florida, deren Tochter Sanele und dem Enkel Sihle. Während Mama Florida versuchte, es uns so unumständlich und gemütlich zu machen, wie möglich, suchten wir nach dem Einfachen und Unbequemen. Wir wurden enttäuscht. Unsere Gastmutter ist Köchin und hat in unserer Besuchszeit an Ressourcen nicht gespart. So wurden uns Menus aufgetischt, bei deren Anblick wir nicht schlecht staunten. Die Gastfamilie gehört nicht zu den armen in Kwanokuthula, das Haus ist vergleichsweise groß. Sie besitzen eine große Stereo-Anlage und einen noch größeren Fernseher, der den ganzen Tag zu laufen scheint. Dennoch haben wir die Zeit in der Gastfamilie sehr genossen.

Alena und Robert zeigten uns den Ort, die Shops, in denen Strom, Gas und Wasser gekauft, beziehungsweise bezahlt werden, die Polizeistation, Bücherei, Restaurants und vieles mehr. Sie gaben uns einen ersten Einstig in die für uns relevanten Sprachen Afrikaans und isiXhosa und versuchten auch sonst, uns alles nötige Wissen weiterzugeben, welches sie im Laufe des Jahres akkumuliert hatten. Nebenbei genossen wir noch das ein oder andere gemeinsame Essen, mit Wein aus der Region und hielten einen lekker Braai (südafrikanisches Barbecue). Für ihre Hilfe und die Zeit, die wir mit ihnen verbracht haben, sind wir sehr dankbar.
              
Teil der Einführung war auch der erste Besuch bei Masizame, dem Projekt, bei dem Verena und ich  arbeiten. „Masizame“ ist isiXhosa für „Lasst es uns versuchen!“, was das Motto des Projekts beschreibt. Gemeint ist der Versuch benachteiligten Kindern aus der Region Hilfestellung zu leisten, um für Chancengleichheit zu sorgen. Das ist wirklich eine Aufgabe, die besondere Aufmerksamkeit verdient, denn die Kinder, die bei Masizame ein zu Hause finden, kommen aus destruktiven Umgebungen und Verhältnissen. Viele der Kinder sind Waisen, die ihre Eltern auf grausame Weise verloren haben, andere Halbwaisen, weil ihre Eltern ständig betrunken sind. Wieder andere sind im Alter von nur elf Jahren drogenabhängig und besuchen keine Schule mehr. Einige werden von ihren Eltern geschlagen oder von falschen Freunden ausgeraubt, werden von Älteren zu kriminellen Handlungen angestiftet und einige müssen dafür ihre Zeit im Gefängnis absitzen. Über Projekt, Arbeit und Leben in Kwanokuthula möchte ich mich in meinem nächsten Bericht ausführlich äußern. Mein Anliegen für diesen Bericht war es vor allem, die ersten Eindrücke meiner Reise schildern, doch der zweite ist schon in Arbeit…
 
Ich danke vielmals für Interesse und Aufmerksamkeit und freue mich über jede Rückmeldung, sowie über Unterstützung und Anregungen, gerne auch telefonisch (siehe unten).
Herzliche Grüße aus Kwanokuthula,
euer David.

Post an:
David Schweiger                                                                   Masizame Children’s Shelter                                      Xipulastreet, Kwanokuthula                              6600 Plettenberg Bay                                                              South Africa
Tel:        +27 44 533 6625
Mobil:   +27 744 2010 12
eMail:   david.schweiger@wi-ev.de                   
Spenden an:

Kontoinhaber:                  Weltweite Initiative e.V.
Institut:                             Bank f. Sozialwirtschaft
Kontonummer:                 
86 11 300
BLZ:                                
550 20 500
Stichwort:                        Spende 80069

Vielen Dank!

Samstag, 10. Juli 2010

Soliaktion in Hamburg

Soeben aus dem Kurzurlaub zurückgekehrt kann ich freudigerweise von einer sehr erfolgreichen Soliaktion in Hamburg berichten. Mit bis zu 13 Freiwilligen und freiwilligen, solidarischen Selbstlosen, haben wir die Touristenhochburgen und Chillerecken der schönsten Hansestadt der Welt unsicher gemacht. Mit Männerballet aufgetrumpft und Damenherzen höherschlagen lassen, Melonen "verspendet" und dafür an vier Tagen insgesamt eine Summe von etwa zweitausend Euro für den Solitopf eingenommen.



In den kommenden Wochen heißt es Abschied nehmen von Freunden und Familie, Unterstützern und Spendern, Mentoren und Lehrern. Und dann, auf einmal irgendwann im August wird es losgehen. Ganz plötzlich weg aus Deutschland. Landen in Johannesburg. Weiterflug nach Durban. Hinein ins Nicht-ganz-so-Gewisse. Gastfamilie, Township, WG. Es spitzt sich etwas zu, das man angenehme Gespanntheit nennen könnte. Die Erwartungen an das kommende Jahr sind groß und mit gemischten Gefühlen gespickt. Los geht's! Doch halt...

Da war noch was. Bevor der Flieger startet kommt ja noch das Vorbereitungsseminar mit der Weltweiten Initiative! Das wird ein herrlicher Spaß, lehrreich und lebendig wie immer. Jetzt erstmal Melonen verschenken.

Freitag, 4. Juni 2010

Melonen für den Frieden

Mit diesem äußerst schlagkräftigen Slogan ließen sich heute bei optimalen Fundraising-Bedingungen recht gut Spenden sammeln. Der eingenommene Betrag von insgesamt 56,09 Euro ist dabei nicht das Wichtigste! Am Schönsten war es zu sehen, dass es viele liebe - vor allen Dingen junge - Menschen mit Interesse und offenen Ohren für das Projekt, meinen Einsatz und die Jungs und Mädels in Plettenberg Bay gibt. Mit der ersten Spendenaktion dieser Art bin ich daher sehr zufrieden.


Mein besonderer Dank gilt der netten Dame aus Borovichi, den Leuten mit der Slackline, der Sängerin, die ich bei ihrer Messias-Probe unterbrechen durfte, unserem Photographen Christian, Lea, Jane, Paul & Paula, Jule-Ule und allen anderen, die ermutigend, freundlich und interessiert dabei waren! Uuuuund natürlich und nicht zu vergessen: meine herzallerliebste Schwester! Baie dankie vir alles!

Uuuund Action!

Los geht's! Nach der ersten kleinen Blutspende-Aktion am gestrigen Abend  wird heute weitergemacht mit dem Fundraising. Bei glänzenden 22 Grad und strahlender Sonne ist die Hoffnung auf spendenfreudige Spaziergänger und nette Menschen mit Interesse an Sozialprojekten in Südafrika groß. Melonen für den Frieden heißt meine erste Aktion dieser Art und besteht im Wesentlichen darin, an einem Spendenstand im Luisenpark gegen freundliche Zuwendungen erfrischende Melonen und Getränke zu verteilen. Mal sehen, ob das Wetter sich auszahlt...

Samstag, 29. Mai 2010

Das Spenden

Mit dem Spenden ist das so eine Sache... In den vergangenen Wochen habe ich mich hier in der Stadt bei etwa 10 Restaurants, 10 Banken, mehreren Stiftungen, über 10 eingetragenen Vereinen, 5 Hotels, Autohäusern und anderen Gewerben und darüber hinaus auch bei größeren Banken, Stiftungen und Vereinen in der ganzen Bundesrepublik um Zuwendungen für meinen Einsatz bemüht. Die Resonanz hierbei ist sehr schlecht. Während mir einige Menschen freundlich zuhören, und die Sache an sich gut und unterstützenswert finden, werden andere gerne schnippisch und kehren mir den Rücken zu. Spenden tut von denen, die - wie man meinen möchte - das meiste Geld haben niemand. 
Einige derer, die zum Spenden bereit sind, wollen - und das ist nur zu leicht nachzuvollziehen - eine Sicherheit. Was passiert mit ihrem Geld? Versickert es in den Tiefen sinnloser Bürokratie? Für mich gestaltet es sich allerdings schwer, solche Sicherheiten urkundlich zu liefern.

Wichtig zu wissen ist, dass die Spendengelder, die hier erbeten werden nicht direkt Straßenkindern in Südafrika zukommen, sondern mir einen helfenden und  Einsatz dort ermöglichen sollen. Statt Gelder ins Ungewisse zu schicken wird also hierbei dafür investiert, dass ich selbst mit eigenen Händen anpacken kann und dafür verspreche immer nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. 

Als Freiwilliger einer kleinen Entsendeorganisation auf der Suche nach finanzieller Unterstützung bin ich alles andere als ein Einzelfall. Zahlreiche Jugendliche sind derzeit in ganz Deutschland mit den gleichen Aufgaben konfrontiert. 
Das Geld jedoch, welches für meinen Einsatz gespendet wird kommt diesem auch ungekürzt zu Gute. Es geht nicht an den Verein oder seine Mitarbeiter! Alle, die Interesse und Mittel zum Fördern haben, alle die von Zweifeln und Fragen geplagt sind kann ich nur ermutigen, sich mit mir in Verbindung zu setzen oder sich eigenständig über Entwicklungspolitik, weltwärts, Herrn Niebel und andere spaßige Entwicklungen im Bundeministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Freiwilligendienste, soziale Mißstände in Südafrika und vieles mehr informieren...